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Katastrophenschutz

Großübung in Kabelsketal: ASB und Feuerwehr proben gemeinsam den Ernstfall

Bei einer organisationsübergreifenden Großübung in Kabelsketal trainierten mehr als 160 Beteiligte das Zusammenspiel von ASB, Feuerwehr, Polizei und Psychosozialer Notfallversorgung unter realitätsnahen Bedingungen. Im Mittelpunkt standen Menschenrettung, die Versorgung zahlreicher Verletzter sowie Führung, Kommunikation und Logistik. Die Übung zeigte eindrucksvoll, wie entscheidend ein professionelles Zusammenspiel aller beteiligten Kräfte für einen erfolgreichen Einsatz ist.

Großübung in Kabelsketal: Gemeinsam für den Ernstfall trainiert

Am Samstag, 22. August 2026, wurde in Kabelsketal der Ernstfall geprobt. Der ASB Regionalverband Halle/Bitterfeld e.V. führte gemeinsam mit Freiwilligen Feuerwehren der Region und weiteren beteiligten Organisationen eine umfangreiche, organisationsübergreifende Einsatzübung im Brand- und Katastrophenschutz durch. Mehr als 160 Einsatzkräfte, Darstellende, Unterstützende und Beobachtende waren beteiligt. Im Mittelpunkt standen die Menschenrettung, die Versorgung einer größeren Zahl verletzter Personen sowie das Zusammenspiel von ASB, Feuerwehr, Polizei und Psychosozialer Notfallversorgung (PSNV).

Der Übungsbeginn: Sammeln und Ordnen im Bereitstellungsraum

Die Übung begann mit dem Eintreffen der Einsatzkräfte im Bereitstellungsraum am Feuerwehrgerätehaus Großkugel. Neben dem ASB und der Freiwilligen Feuerwehr Kabelsketal trafen dort weitere Freiwillige Feuerwehren sowie die Polizei ein. Der Bereitstellungsraum ist bei größeren Einsatzlagen ein wichtiger Bestandteil der Einsatzorganisation. Er dient dazu, Einsatzkräfte und Fahrzeuge außerhalb des unmittelbaren Gefahrenbereichs zu sammeln, zu ordnen und für ihre Einsatzaufträge bereitzuhalten. So können benötigte Kräfte gezielt abgerufen werden, ohne die eigentliche Einsatzstelle zu blockieren.

Nach dem Eintreffen und der Einweisung der Einheiten entwickelte sich das Übungsgeschehen schrittweise zu einer dynamischen Lage.

Das Szenario: Brandereignis mit zahlreichen Betroffenen

Angenommen wurde eine nicht genehmigte Veranstaltung in einer Lagerhalle in Kabelsketal. Nach mehreren Notrufen wegen Ruhestörungen wurde zunächst die Polizei zur Einsatzstelle alarmiert. Beim Eintreffen zeigte sich eine unübersichtliche Situation: Zahlreiche Personen verließen die Halle in panischer Stimmung, mehrere Besucher waren sichtbar verletzt und dichter Rauch drang aus dem Gebäude.

Eine Besucherin berichtete, dass sich ihr Freund vermutlich noch auf dem Dach der Lagerhalle befinde. Nach Angaben des Veranstalters hatten sich ursprünglich rund 300 Menschen auf der Veranstaltung aufgehalten. Ein Großteil konnte die Halle bereits verlassen, zunächst musste jedoch davon ausgegangen werden, dass zwischen zehn und 30 Personen vermisst wurden.

Nach der ersten Lageerkundung forderte die Feuerwehr zusätzliche Kräfte an. Damit wurde im Rahmen der Übung eine abgeschwächte MANV-Lage – ein Massenanfall von Verletzten – simuliert. Für die weitere Bewältigung der Lage wurden insbesondere der Sanitätszug und der Betreuungszug des ASB sowie Kräfte der Psychosozialen Notfallversorgung eingebunden.

Der ASB im Mittelpunkt der medizinischen Versorgung

Der ASB Regionalverband Halle/Bitterfeld e.V. war mit über 20 Einsatzkräften und sieben Einsatzfahrzeugen beteiligt. Eingesetzt wurden der Sanitätszug Halle, der Betreuungszug Saalekreis sowie die Psychosoziale Notfallversorgung (PSNV).

Eine zentrale Aufgabe des ASB-Sanitätsdienstes war die strukturierte Versorgung der Verletzten. Dazu wurde zunächst eine Patientenablage eingerichtet und anschließend ein Behandlungsplatz aufgebaut. Die Einsatzkräfte führten die Triage durch, also die medizinische Einordnung der Patienten nach der Dringlichkeit ihrer Behandlung. Die Verletzten wurden registriert, medizinisch erstversorgt und stabilisiert. Anschließend wurden die weiteren Transporte vorbereitet und koordiniert. Auch die Dokumentation des Behandlungsgeschehens war Bestandteil der Übung. Dabei mussten die ASB-Kräfte auf unterschiedliche und sich verändernde Patientensituationen reagieren. Die Übung verlangte damit nicht nur medizinisches Fachwissen, sondern auch schnelle Entscheidungen, klare Kommunikation und eine konsequente Priorisierung.

Menschenrettung und medizinische Notfälle

Parallel zur Arbeit des ASB liefen die Maßnahmen der Feuerwehr. Die Einsatzkräfte übernahmen im Übungsszenario unter anderem Brandbekämpfung, Menschenrettung, Suchmaßnahmen und technische Rettung. Mehrere verletzte Personen außerhalb der Lagerhalle mussten versorgt werden, während gleichzeitig vermisste Personen innerhalb des Gebäudes gesucht wurden.

Eine besondere Übungssituation war die Rettung eines reanimationspflichtigen Übungsdummys über die Drehleiter der Feuerwehr. Zusätzlich wurde eine Reanimation an einem weiteren Übungsdummy durchgeführt. Diese Einspielungen ermöglichten es, medizinische Maßnahmen und die Zusammenarbeit zwischen Feuerwehr und Rettungskräften unter realitätsnahen Bedingungen zu trainieren.

Mit zunehmender Dunkelheit wurde die Einsatzstelle durch die Feuerwehr ausgeleuchtet. Damit wurden auch Führungsarbeit, Orientierung und Kommunikation unter erschwerten Sichtbedingungen in die Übung einbezogen.

Betreuungsdienst und PSNV: Hilfe für Menschen ohne Verletzungen

Nicht alle Betroffenen einer größeren Schadenslage sind körperlich verletzt. Auch die Betreuung unverletzter Personen ist deshalb eine wichtige Aufgabe des ASB. Der Betreuungszug Saalekreis übernahm im Übungsszenario die Registrierung und Betreuung unverletzter Betroffener, die Versorgung mit Getränken sowie die Betreuung von Angehörigen. Dabei arbeitete der Betreuungsdienst eng mit der Einsatzleitung zusammen.

Unterstützt wurde diese Arbeit durch die Psychosoziale Notfallversorgung (PSNV). Ihre Aufgabe bestand insbesondere darin, Betroffene und Angehörige psychosozial zu betreuen und belastete Einsatzkräfte zu unterstützen. Damit wurde auch jener Bereich berücksichtigt, der bei großen Schadenslagen häufig weniger sichtbar ist, für die Betroffenen jedoch von großer Bedeutung sein kann.

Verpflegung im Bereitstellungsraum

Eine weitere wichtige Aufgabe übernahm der Betreuungszug Saalekreis bereits im Bereitstellungsraum. Vier ausgebildete Feldköche des ASB sorgten während der Übung für die Verpflegung der Beteiligten. Dafür wurde eine Feldküche aufgebaut, in der eine warme Mahlzeit zubereitet wurde.

Nach Abschluss der Übung nahmen alle Beteiligten die Mahlzeit gemeinsam ein. Was bei einer Übung zunächst wie eine praktische Versorgung und ein gemeinsamer Abschluss wirkt, hat im Katastrophenschutz eine elementare Bedeutung. Gerade bei lang andauernden oder großflächigen Einsätzen müssen Einsatzkräfte zuverlässig mit Essen und Getränken versorgt werden. Nur wer ausreichend versorgt ist, kann über längere Zeit konzentriert und leistungsfähig arbeiten.

Die Übung zeigte damit auch: Einsatzbereitschaft endet nicht bei der medizinischen Versorgung oder der technischen Hilfeleistung. Eine funktionierende Logistik und Verpflegung sind wesentliche Voraussetzungen dafür, dass Einsatzkräfte ihre Aufgaben auch über viele Stunden oder Tage hinweg sicher erfüllen können.

160 Beteiligte trainierten gemeinsam

Insgesamt nahmen ca. 160 Personen an der Großübung teil. Dazu gehörten die Einsatzkräfte der Feuerwehren, die Einsatzkräfte des ASB, Verletztendarstellende der Jugendfeuerwehr, ein realer Rettungswagen mit Besatzung, ein Einsatzwagen der Polizei mit Besatzung sowie Gäste und Beobachter der Großübung.

Die Verletztendarstellung wurde unter anderem durch Angehörige der Jugendfeuerwehr übernommen. Vor Beginn der Übung wurden die Darsteller in ihre Verletzungsmuster und die geltenden Sicherheitsbestimmungen eingewiesen. Für die Einsatzkräfte entstand dadurch ein möglichst realistisches Übungsbild mit unterschiedlichen Verletzungsschweregraden und wechselnden Einsatzanforderungen.

Im Mittelpunkt stand nicht die möglichst spektakuläre Darstellung des Szenarios, sondern das praktische Training der Abläufe: Menschenrettung, Triage, Patientenversorgung, Patientenregistrierung, Aufbau und Betrieb von Patientenablage und Behandlungsplatz, Transportkoordination, Betreuung sowie Führung und Kommunikation. Gleichzeitig wurden Entscheidungsfindung unter Zeitdruck, die Zusammenarbeit der Einsatzabschnitte, Sicherheitsvorschriften und die strukturierte Übergabe von Patienten trainiert.

Alle eingespielten Situationen dienten ausschließlich Ausbildungszwecken und wurden nach Abschluss der Übung ausgewertet. Gerade diese anschließende Betrachtung ist ein wichtiger Bestandteil einer Übung: Abläufe werden überprüft, Erfahrungen ausgewertet und mögliche Verbesserungen für künftige Einsätze erkannt.

Erfolgreiches Zusammenspiel verschiedener Organisationen

Die Großübung in Kabelsketal hat deutlich gemacht, wie wichtig das abgestimmte Zusammenwirken unterschiedlicher Einsatzorganisationen ist. Der ASB übernahm mit seinem Sanitäts- und Betreuungszug wesentliche Aufgaben in der medizinischen Versorgung und Betreuung. Die Feuerwehr stellte mit Brandbekämpfung, Menschenrettung, technischer Rettung und Führungsaufgaben einen weiteren zentralen Bestandteil der Übung. Die Polizei unterstützte unter anderem bei Dokumentation und Zusammenarbeit mit der Gesamteinsatzleitung. Die PSNV ergänzte die Einsatzmaßnahmen um die psychosoziale Betreuung.

Insgesamt bot die Übung allen Beteiligten die Möglichkeit, ihre Fähigkeiten unter realitätsnahen Bedingungen zu überprüfen und die organisationsübergreifende Zusammenarbeit weiterzuentwickeln. Denn wenn im Ernstfall viele Menschen gleichzeitig Hilfe benötigen, müssen nicht nur einzelne Handgriffe funktionieren. Entscheidend ist, dass Kommunikation, Führung, medizinische Versorgung, Betreuung, Transport und Logistik ineinandergreifen.

Danke an alle Beteiligten

Eine Übung dieser Größenordnung ist nur durch das Engagement vieler Menschen möglich. Der ASB Regionalverband Halle/Bitterfeld e. V. bedankt sich deshalb herzlich bei allen, die zum Gelingen der Großübung beigetragen haben.

Unser besonderer Dank gilt den aktiven Helferinnen und Helfern des ASB Regionalverbandes Halle/Bitterfeld e. V., den Freiwilligen Feuerwehren Großkugel, Gröbers, Schwoitsch, Osmünde, Dölbau und Dieskau-Zwintschöna, dem Polizeirevier Saalekreis, der Psychosozialen Notfallversorgung (PSNV), allen Verletztendarstellerinnen und -darstellern, den Beobachterinnen und Beobachtern sowie JobRad Loop für die Unterstützung.

Ein besonderer Dank gilt außerdem ASB-Zugführer Sven Hopfe und ASB-Gruppenführer Johannes Jirasek für die Organisation und Umsetzung der Übung und damit für die Realisierung ihrer Idee. Unterstützt wurden sie dabei von ASB-Verbandsführer Axel Freytag und dem Einsatzleiter der Feuerwehr, Denny Kühn.

Gemeinsam wurde in Kabelsketal gezeigt, worauf es im Brand- und Katastrophenschutz ankommt: vorbereitet sein, professionell handeln, Verantwortung übernehmen und als Team funktionieren.